Jonah von Laura Newman | Rezension

„Lust, was zu unternehmen?“, fragt er mich ohne Umschweife und ohne auch nur Hallo zu sagen.
Ich kann nicht anders, als ihn fassungslos anzustarren.
„Ist das ein Nein?“, hakt er nach und grinst wieder so schief.
„Ich…“, setze ich an, weiß aber beim besten Willen nicht, was ich darauf erwidern soll. Meint er es ernst? (Seite 23)

Wer „Jonah“ von Laura Newman in den Händen hält, hat eine gefühlvolle und spannende Geschichte für den Sommer gewählt – inklusive einem überhaupt nicht vorhersehbaren Plottwist. Denn was als typische Sommerromanze beginnt, endet in einem ergreifenden Drama – und damit hatte mich die Autorin letztendlich auch gepackt. Anfangs war ich verhältnismäßig enttäuscht von der Geschichte, da nichts besonderes passiert. Junge mag Mädchen, sie lernen sich kennen, Mädchen mag Junge ebenfalls, um die Handlung mal grob zusammenzufassen. Wie soll sich eine derartige Romanze über so viele Seiten hinweg spannend hinziehen? Ich hatte immerhin noch einen beträchtlichen Teil des Buches vor mir. Als mich dann jedoch der Twist kalt erwischte, gab es kein Halten mehr.

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Vakuum von Antje Wagner | Rezension

Alissa zog ihr Handy heraus. Sie wählte 110.
Nach einer Weile senkte sie das Handy wieder und wählte erneut.
„Was ist los?“, fragte Leon nervös.
„Bei 110 hebt keiner ab.“ (Seite 142)

In diesem Buch eine Pause einlegen? Fehlanzeige. Viel zu spannend ist „Vakuum“ von Antje Wagner. Sie verstrickt Fantasy, Mystery, Horror und Drama in ihrem Jugendbuch – eine überraschend gut funktionierende Mischung. Vor allem, weil die Autorin darüber hinaus nicht vergisst, ein waches Auge auf die komplexen Gefühlswelten ihrer Charaktere zu haben.

Die fünf Jugendlichen Alissa, Leon, Tamara, Hannes und Kora tragen jeder ihr Päckchen mit sich herum, über das sie sich beharrlich ausschweigen. Die Vergangenheit wird fein säuberlich aus ihrem Leben geschnitten. Doch so einfach ist es nicht, denn verdrängte Erfahrungen und Erinnerungen sind starke Treiber, die jeden der Fünf in ihrem Wesen und in ihrem Alltag unbewusst beeinflussen und lenken. Kora zum Beispiel kapselt sich in der Jugendhaft auffallend von allen anderen ab. Hannes muss aus unerfindlichen Gründen jeden Abend zu einer bestimmten Uhrzeit irgendwohin und meidet ebenfalls den Kontakt zu Familie und Freunden. Tamara verliert sich in Klängen und Musik, um den Konflikten mit der Stiefmutter zu entfliehen. Alissa ist innerlich erstarrt, seit sie aus ihrer Heimatstadt weggezogen ist, während ihr Bruder Leon obsessiv fotografiert und verzweifelt ihre Nähe sucht. All dies schildert Antje Wagner äußerst feinsinnig, so dass allein dies mich schon bei der Stange hielt.

Doch dann bleibt plötzlich die Zeit stehen. Alle Menschen und Tiere verschwinden und die Fünf sind auf sich alleine gestellt. Sie finden einander durch unerklärbare Hinweise und Briefe und beginnen mit der Suche nach Antworten, nach Erklärungen für das, was geschehen ist. Warum sind nur sie noch hier? Was hat es mit dem Stillstand der Zeit auf sich?

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Neuerscheinungen im September 2018 – Victoria Schwab, Sarah Perry und mehr

Geht es nur mir so oder rast das Jahr nur so vorbei? Kaum zu glauben, dass ich schon wieder zu den Herbstvorschauen der Verlage greife, um nach interessanten Neuerscheinungen zu stöbern. Doch viel wichtiger ist natürlich, dass sich darin ganz viele kuriose, originelle und schöne Geschichten tummeln. Wie zum Beispiel „Die Prophezeiung der Giraffe“ von Judith Pinnow. Oder „Sofia trägt immer Schwarz“ von Paolo Cognetti. Mit dabei auch „Das erste Gewand“ von Guram Dotschanaschwili, das meistgelesene Buch in Georgien endlich in deutscher Übersetzung. Ist etwas für euch dabei? Ich wünsche euch viel Spaß beim Stöbern.

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Alle lieben Tacos von Felipe Fuentes Cruz & Ben Fordham | Rezension

„Mexikanisches Essen steckt voller toller Aromen, die am besten herauskommen, wenn man beim Kochen mindestens genauso viel Spaß hat wie beim Essen.“

Das erste Mal aß ich Tacos vor etwa zehn Jahren bei Freunden – und es war eine Offenbarung 🙂 Seitdem kommen Tacos bei uns immer dann auf den Tisch, wenn wir entweder keine Zeit zum Kochen haben oder wir einfach wahnsinnig Lust drauf haben. Einziges Manko: Bei uns kommt stets dasselbe rein. Mehr Vielfalt auf dem Esstisch versprach das Kochbuch „Alle lieben Tacos“ von Felipe Fuentes und Ben Fordham. Die Autoren sind Köche und betreiben die mexikanischen Restaurants „Benito’s Hat“ in London und Oxford. Nun haben sie 65 ihrer beliebten Rezepte in diesem Kochbuch verraten und ich habe ausprobiert, ob die Füllungen und Salsas das halten, was die Bilder versprechen.

Sehr positiv sprachen mich beim ersten Durchblättern die großflächigen Bilder der einzelnen Gerichte an. Außerdem fiel mir sofort die Bandbreite auf – es ist alles vertreten: Es gibt Rezepte für Häppchen und Frühstück, Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte sowie vegetarische Füllungen. Hinzu kommen zahlreiche Salsas und Salate und tatsächlich auch Desserts. Abgerundet wird diese Auswahl mit Rezepten für Drinks. Also im Grunde gibt dieses Buch alles her, was das Herz begehren könnte.

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Game of this Summer von Anni Dares | Rezension

Ich liege oben auf meinem Bett, arbeite die Schachaufgaben von Herrn Wibell durch und versuche meine Gedanken vom heutigen Tag wegzulenken. Was ist das nur mit Ole? (Seite 138)

Nicht schon wieder ein Young Adult Roman nach Schema F, könnte man bei Titel und Cover dieses Romans von Anni Dares denken. Doch „Game of this Summer“ überraschte mich mit einer authentischen Liebesgeschichte, die herzlich wenig mit „Mauerblümchen verliebt sich in Bad Boy“ zu tun hat. Stattdessen treffen hier zwei herrlich durchschnittliche Jugendliche aufeinander, die sich auf Augenhöhe begegnen und die versuchen, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen. In die Quere kommen ihnen dabei allerdings Reibereien mit der Familie und Liebessorgen sowie rücksichtslose Wilderer, die für allerlei Ärger sorgen. Zusammen ergibt das eine spannende, humorvolle und romantische Geschichte, die für junge Leser ideale Unterhaltung ist.

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Demnächst bei Audible – meine Hörbuch-Tipps

Was gibt es Schöneres, als im Sommer mit einem spannenden Hörbuch auf den Ohren im Park zu liegen? Eine tolle Alternative zum Buch, um einfach mal die Augen zu schließen und den Moment zu genießen. Noch dazu erscheinen in den nächsten Wochen einige sehr interessante neue Hörbücher beim digitalen Hörbuch-Anbieter Audible. Ich habe mich umgesehen und ein paar Hörbuch-Tipps für euch zusammengestellt.

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Uns gehört die Nacht von Jardine Libaire | Rezension

Wie kommt er dazu, sich mit diesem Mädchen abzugeben? Und dann wieder denkt er, es liegt an ihm, er ist völlig kaputt. Und dann will er nur noch einschlafen und seinem Bewusstsein entkommen, bevor es ihn ruiniert. (Seite 86)

„Uns gehört die Nacht“ von Jardine Libaire ist düster, intensiv und sexy. Yale-Student Jamey trifft die halb Puerto-Ricanerin Elise, die ohne Schulabschluss aufgewachsen ist. Der Zufall bringt sie zusammen, denn sie sind Nachbarn. Erst verbindet sie unverbindlicher Sex, später wird daraus jedoch mehr. Im Prinzip ist die Handlung schlicht, doch der Schreibstil und eine präzise und tiefgehende Charakterstudie machen mehr daraus. Jardine Libaire schreibt roh und gleichzeitig poetisch. Und roh, beinahe animalisch, ist auch die Beziehung von Elise und Jamey. Sie versprechen sich nichts, sehnen sich im Prinzip nur nach dem Körper des anderen. Wie Getriebene.

Und hier wird es spannend, denn was treibt die beiden an, sich in eine derart obsessive Affäre zu stürzen? Für das Innenleben der beiden findet Libaire ausdrucksstarke, aber oft nicht ganz greifbare Worte, so dass die Beweggründe und Gedanken im Verborgenen bleiben. Als seien Elise und Jamey sich dieser selbst nicht bewusst. Das hat mir sehr gefallen, denn wie oft handeln wir, ohne recht verstehen zu können, weshalb wir so handeln. Oft sind es einzig und allein die Gefühle, die uns leiten – ebenso wie Jamey und Elise ihren Gefühlen nachgeben und schauen, wo diese sie hinführen.

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Hyde von Antje Wagner | Rezension

Es war eine einzige große Unglaublichkeit, aber manchmal, das wusste ich ja, manchmal war gerade das Unglaubliche das überzeugendste Detail an einer Geschichte. (Seite 397)

Wer die Autorin Antje Wagner noch nicht kennt, sollte dies mit ihrem neuen Roman „Hyde“ unbedingt ändern, denn der ist eine Wucht! Er ist komplex und dramatisch, verwunschen und unheimlich, schlicht brillant. Ich geriet von der ersten Zeile an in die Fänge dieser Geschichte, begleitete die Protagonistin Katrina auf ihrem anstrengenden, aufreibenden und bisweilen schockierenden Weg. Dabei rüttelt die Autorin beständig an dem, was man zu glauben meint, bewirft einen mit neuen Erkenntnissen und noch nicht ganz greifbaren Zusammenhängen, die sich verdichten, bis man voller Atemlosigkeit durch die letzten Seiten rast. Ein tolles Erlebnis.

„Hyde“ lässt sich dabei in kein Genre zwängen, zu vielseitig ist die Geschichte. Es geht um Katrina, die auf der Suche nach Arbeit durch das Land zieht. Ein Geheimnis umgibt sie, das weiß man von Beginn an – immerhin versteckt sie einen Teil ihres Gesichtes nicht grundlos unter einem Tuch. Und sie ist voller Wut. Wut, da ihrem Vater und ihrer Schwester irgendetwas zugestoßen ist. Sie muss Geld zusammenbekommen, damit sie Rache üben kann. So weit die Fakten, alles weitere bleibt in der Schwebe.

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Neuerscheinungen im August 2018 – Christina Dalcher, Cecilia Ahern und mehr

Meine erste unbedingte, dringende Empfehlung, die im August erscheint, ist „Vox“ von Christina Dalcher – eine provokante, feministische Dystopie, auf die ich sehr gespannt bin. Wer noch? Und wer hat das Buch schon gelesen? Ein ähnliches Thema greift Cecilia Ahern in ihrer Geschichtensammlung „Frauen, die ihre Stimme erheben. Roar.“ auf. Darin geht es um Frauen, die über sich hinaus wachsen. Außerdem freue ich mich auf „Der Abgrund in dir“ von Dennis Lehane, das ich bereits hier bei mir stehen habe. Euch wünsche ich nun aber wie immer viel Spaß beim Stöbern! Und verratet mir unbedingt eure/n Favoriten.

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Anna Fink – Die Fanfare des Königs von Boris Zatko | Rezension

Aber wieso sah sie Dinge, die anscheinend nicht existierten? Bildete sie sich das alles nur ein? Unmöglich! (Seite 14)

„Mama, erzählst du mir die Geschichte noch einmal?“ Diesen Satz hörte ich jeden Tag mindestens ein Mal, nachdem ich damit begonnen hatte, „Anna Fink – Die Fanfare des Königs“ von Boris Zatko zu lesen. Meine Tochter konnte nicht genug von diesem fantastischen Abenteuer bekommen und ich erzählte ihr gerne davon, denn dieser Trilogie-Auftakt ist durchaus bereits für jüngere Leser geeignet. Ich selbst wurde auf der Frankfurter Buchmesse im vergangenen Jahr auf dieses hübsche Buch aufmerksam, als ich am Stand des mir bis dahin unbekannten Verlags Oberstebrink vorbeiging. Das Cover machte mich extrem neugierig und der Klappentext (siehe Beitragsende) versprach eine abenteuerlich-magische Geschichte. Eine Mutter und ihre Tochter, die in ein seltsames Haus einziehen? Ein verschwundener Vater? Ein großes Geheimnis? Ich war geködert.

Allem voran muss ich die tollen Illustrationen des Autors hervorheben. Boris Zatko arbeitet als freier Autor und Illustrator für Magazine und Verlage. Ich finde es spannend, wenn ein Autor die Illustrationen für seine Geschichte selbst anfertigt. Es ist, als schaute man als Leser durch ein kleines Fenster direkt in den Kopf des Autoren. So wurde die Welt, die Zatko erschuf, noch greifbarer. Und diese Welt ist aufregend! Sie ist ganz nah an der Realität und dennoch auf eine subtile Art und Weise davon entrückt. So wirken die Stadt und die Menschen, denen Protagonistin Anna und ihre Mutter begegnen stets etwas seltsam, sehr kühl und abweisend. Nichts fügt sich so recht zusammen und Anna und ihre Mutter wirken wie Fremdkörper in einem Puzzle, deren fertiges Bild sie – und auch der Leser – nicht kennen. Ich mag es sehr, wenn das Fantastische sich in den Details verbirgt.

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