Too Late von Colleen Hoover | Rezension

Colleen Hoover war für mich immer der Garant für Young und New Adult Romane voller Gefühl und Spannung. Ein bisschen erinnern mich ihre Geschichten an Filme wie „The Notebook“: zwei Menschen finden zueinander, aber äußere Umstände oder Geheimnisse aus der Vergangenheit treiben einen Keil zwischen sie, bis am Ende natürlich dennoch alles gut wird. Colleen Hoover scheut nicht davor zurück, unbequemere Themen, wie den Verlust der Eltern, eine schwere Verletzung oder eine harte Kindheit anzusprechen. Oft übernehmen ihre Figuren schon früh ein hohes Maß an Verantwortung, sie kämpfen für ihre Träume und für ihre Liebe und erreichen am Ende das, was sie sich vorgenommen haben. Ein bisschen Seifenoper, ein bisschen Rosamunde Pilcher, der perfekte Snack für zwischendurch also. So ist es teils auch in „Too Late“ von Colleen Hoover, das im neuen dtv Imprint „bold“ veröffentlicht wurde. Der New Adult Roman hebt sich in vielerlei Hinsicht von ihren anderen Werken ab, angefangen bei der Covergestaltung bis hin zu der Tatsache, dass „Too Late“ anfangs nicht mehr als eine Schreibübung war.

„Wenn ich nachher zu euch komme, werde ich dich keines Blickes würdigen“, sagt er. „Ich werde nicht mal in deine Richtung sehen. Aber du sollst wissen, dass du trotzdem das Einzige bist, das ich sehen werde. Das absolut Einzige, Sloan.“ (Seite 138)

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Flamingofeuer von Laura Lay | Rezension

Darf es literarisch im Frühling etwas verspielter sein? Vielleicht eine Kombination aus Erotik, viel Humor, Fantasie und klugem Storytelling? Dann ist „Flamingofeuer“ von Laura Lay, dem Pseudonym von Antje Wagner, exakt das richtige Buch. Zugegeben, mich hatte die Vorstellung, einen erotischen Roman zu lesen, zuerst ein wenig abgeschreckt. Aber wenn ich einem Verlag vertraue, dann ist es der Ulrike Helmer Verlag, mit dem ich bislang ausschließlich positive Leseerfahrungen gemacht habe („Schattengesicht“ von Antje Wagner sowie „Alle Farben der Nacht“ von Jonas Zauels), und wenn ich einer Autorin vertraue, dann Antje Wagner. Sie schreibt schlicht phänomenal gut und zaubert einfach immer wieder Überraschungen aus dem Hütchen. So auch in „Flamingofeuer“.

[Er] Klickte auf Neues Dokument, sah erst auf die Rhododendronblüten, die im Wind zitterten, dann auf den blinkenden Cursor. Er dachte an Tanja R. und spürte die Wut in sich brodeln. Heiß. Er atmete tief durch.
Dann tippte er:
Fieber. (Seite 64)

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Die Stille zwischen den Sekunden von Tania Witte | Rezension

Wer gerne feinfühlige, spannende, emotionale und lebensnahe Jugendbücher liest, die als Tüpfelchen auf dem „i“ noch einen ganz besonderen Kniff in petto haben, sollte unbedingt zu „Die Stille zwischen den Sekunden“ von Tania Witte greifen. Mich hat die Geschichte komplett von den Füßen gerissen und ich bin in jeglicher Hinsicht begeistert. Die Figuren, der Schreibstil, die Story, der Spannungsbogen – alles ist rund, alles ist plausibel. Und vor allem geht einem das Schicksal jeder einzelnen Figur nahe, sei es auch die kleinste Nebenfigur. Es geht um das Leben in einer multikulturellen Großstadt, den Schulalltag, die erste Liebe, Freundschaft, Blogs und YouTube. Darüber hinaus geht es um Kriegserfahrungen, Verlust und unverarbeitete Traumata und die Folgen wie eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und Schuldgefühle des Überlebenden.

Ich drehte den Gleisen den Rücken zu, drängelte mich durch die Menschen und stiefelte die Treppe wieder hinauf. Immer nach vorne schauen, nie zurück. (Seite 7)

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Warum die Vögel sterben von Victor Pouchet | Rezension

„Nichts fällt einfach so runter. Mir kommt es vor, als wären diese Vögel auf mich gestürzt, auf mein Dorf, meine Kindheit oder vielleicht auch auf etwas ganz anderes. Auf uns. (Seite 18)

Dieser Debütroman von Victor Pouchet lässt mich mit vielen Fragezeichen zurück. Und einer gewissen Leere und einer vagen Unzufriedenheit. Leider, denn ich hatte mir sehr viel von der Geschichte erhofft. Vögel, die aus unbekannten Gründen tot vom Himmel fallen und ein Student, der sich daran macht, dieses Rätsel zu lösen? Und damit ungewollt einen Selbstfindungsprozess anstößt? Das macht neugierig!

Die Geschichte konnte mich zu Beginn begeistern, als ich noch davon ausging: es kommt etwas Ungewöhnliches und Gutes auf mich zu. Beobachtungen, die sich interpretieren lassen, und die am Ende ein zusammenhängendes Gesamtbild ergeben. Doch entweder konnte ich dieses Gesamtbild nicht sehen oder es gibt keines. Letztendlich war „Warum die Vögel sterben“ für mich nicht mehr als eine flüchtige Erscheinung ohne tieferen Sinn, ein reines Spiel mit den Worten, ein Spiel mit Zusammenhängen, die vielleicht richtig sind, vielleicht aber auch nicht, ein Spiel mit den Erwartungen des Lesers – die bei mir am Ende nicht erfüllt wurden. Ich konnte die Intention des Autors über weite Teile nicht verstehen und am Ende wollte ich es auch nicht mehr. Mir fehlte es zu sehr an Griffigkeit und Substanz.

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So sieht es also aus, wenn ein Glühwürmchen stirbt von Maike Voß | Rezension

Du willst mich nicht, Leon. Du willst jemanden, der normale Schwächen hat, die man wieder hinbiegen kann. Aber das bin ich nicht. (Seite 28)

Dieses Buch ist keine leichte Kost. Es ist keine locker-leichte Liebesgeschichte. Es ist keine oberflächliche Romanze. „So sieht es also aus, wenn ein Glühwürmchen stirbt“ von Maike Voß ist eindringlich, intensiv und bedrückend. Es ist eine wahrhaftige Achterbahn der Gefühle. Es geht um die Freunde Leon und Viola und darum, welche Folgen eine gemeinsame Nacht haben kann. Was bedeutet das für die Freundschaft? Wie soll man damit umgehen? Vor allem aber geht es um jeweils vorangegangene Erfahrungen von Leon und Viola und welchen Einfluss diese auf ihr Leben, auf ihr Selbstbild, ihre Psyche und letztendlich auf ihre Beziehungen bzw. Beziehungsfähigkeit haben.

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Lanny von Max Porter | Rezension

Folge nur brav und bete recht fromm, dass dich Totpapa Schuppenwurz nicht holen kommt. Er wohnt im Wald. Ich glaube an ihn. Ich habe ihn gesehen. (Seite 76)

Der Klappentext von „Lanny“ machte mich unglaublich neugierig auf den zweiten Roman von Max Porter. Eine mystische Gestalt, ein abgelegenes Dorf, ein einschneidendes Ereignis – all dies wird angedeutet, nichts konkretisiert. Wundervoll! Ich wollte mich ins Ungewisse stürzen und mehr wissen. Wer ist dieser Altvater Schuppenwurz, von dem die Rede ist? Was geschieht in dem Dorf? Und vor allem: Wer ist Lanny? Letztendlich ist „Lanny“ ein Roman für Träumer, für diejenigen, die sich nicht davon abschrecken lassen, nicht alles zu verstehen und alles zu durchschauen. Denn es geht weniger um eine greifbare und realistische Handlung, sondern vielmehr um Gefühle, Ahnungen und nicht logisch nachvollziehbare Ereignisse.

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The Only Story (dt. Die einzige Geschichte) von Julian Barnes | Rezension

Would you rather love the more, and suffer the more; or love less, and suffer the less? That is, I think, finally, the only real question. (Seite 3)

„Novel: A small tale, generally of love.“ Mit dieser Definition aus „A Dictionary of the English Language“ aus dem Jahre 1755 beginnt die Geschichte von Julian Barnes. Und um was geht es in „The only story“ (deutsch: Die einzige Geschichte)? Um die Liebe natürlich. Genauer gesagt um die Liebe von Paul und Susan. Paul ist jung, rebellisch und bisweilen etwas naiv. Er wächst in einem typischen Vorort von London auf, „The Village“ genannt, etwa 15 Meilen südlich der Großstadt. Dort beschäftigt er sich damit, die Erwachsenen in seinem Leben zu beobachten und ihr Verhalten zu verurteilen. Auf keinen Fall möchte er so werden wie sie, diese Art zu leben lehnt er ab, dagegen rebelliert er. Und als er Susan im örtlichen Tennisclub begegnet – älter als er, verheiratet und Mutter von zwei Kindern – stürzt er sich mit Euphorie, Vertrauen und Leichtsinn in eine Liebesgeschichte abseits jeglicher Konventionen, welche die Erwachsenen so schätzen. Diese Beziehung soll ihn und sein Leben definieren, sie soll ihn von allem abgrenzen, was er am biederen, oberflächlichen und verlogenen Leben der anderen hasst.

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Two Boys Kissing von David Levithan | Rezension

Die Liebe tut so weh, wie kann man sie jemandem wünschen? Die Liebe ist so grundlegend, wie kann man ihr im Wege stehen? (Seite 18)

2015, als „Two Boys Kissing“ von David Levithan erschien, stand ich in der Bahnhofsbuchhandlung im Düsseldorfer Hauptbahnhof und hielt die englische Taschenbuchausgabe in der Hand. Bestimmt 15 Minuten stand ich dort und überlegte, ob ich es kaufen soll oder nicht – ich tat es nicht. Wiederum vor zwei Jahren fand ich die deutsche Ausgabe in einem Bücherschrank und dieses Mal nahm ich sie glücklicherweise ohne lange nachzudenken mit. Allerdings LAS ich das Buch noch immer nicht – erst jetzt habe ich danach gegriffen und diese wundervolle (!) Geschichte für mich entdeckt.

Was mich besonders beeindruckt, ist die Kraft der Gefühle, die Intensität, mit der die Figuren ihren Alltag und ihre Gefühle erleben, und die Weisheit, die zwischen den Zeilen steckt. Worum es geht? Um Liebe. In allen Facetten und mit allen ihren positiven und auch schmerzhaften Eigenschaften. Es geht um die Freiheit, der Mensch sein zu können, der man ist, und die sexuelle Identität zu haben, die man nun einmal hat. Und es geht um innere, familiäre und gesellschaftliche Konflikte, die leider auch heute noch viel zu oft damit einhergehen.

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Leinsee von Anne Reinecke | Rezension

Im Halbschlaf überlegte er, ob er möglicherweise selbst nur eine Einbildung war. […] Vielleicht bin ich ja nur der erfundene Freund eines verrückten Kindes, dachte er. Er spürte noch sein eigenes Lächeln, bevor er einschlief. (Seite 74)

„Leinsee“ von Anne Reinecke ist meine erste große Überraschung in diesem Jahr. Ich hatte mit einer steifen, tendenziell schwermütigen Geschichte gerechnet und wurde stattdessen regelrecht von der Füßen gerissen von dieser sensiblen, herzergreifenden und unerwartet romantischen Erzählung. Warum das so ist? Anne Reinecke sieht das Schöne, die Sehnsüchte und die tiefen Gefühle, sie kehrt das Innerste ihrer Figuren nach außen, allerdings nicht auf dem Präsentierteller, sondern beinahe beiläufig und dadurch umso intensiver. Lest nach, warum mich das Buch außerdem begeistert hat, und wer weiß, vielleicht erobert es auch euer Herz.

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