Annähernd Alex von Jenn Bennett | Rezension

Sowohl Plot als auch Charaktere konnten mich leider nicht überzeugen.

Über „Annähernd Alex“ von Jenn Bennett hatte ich viel Gutes gehört und gelesen. Außerdem ist das Jugendbuch im Königskinder Verlag erschienen – eigentlich ein Garant für Geschichten, die das gewisse Etwas haben, die überraschen, berühren und zum Staunen bringen. Auch hier überzeugten mich Klappentext und Aufmachung sofort, so dass ich die Geschichte von Mink und Alex unbedingt lesen wollte. Schlussendlich hat sie mich jedoch leider enttäuscht und zwar aus diversen Gründen. Welche das sind, erfahrt ihr in meiner Rezension.

bennett-annähernd-alex

Mink und Alex sind Online-Freunde, die sich wirklich gut verstehen. Vor allem, was ihre Vorliebe für alte Filme angeht. Sie veranstalten gemeinsame Filmabende und diskutieren über Gott und die Welt. Doch als Mink unerwartet in die gleiche Stadt zieht, in der Alex lebt, wagt sie es nicht, ihm davon zu erzählen. Zu groß ist ihre Sorge, ein Treffen im realen Leben würde alles zwischen ihnen zerstören. Das passt zu Minks alias Bailey’s Einstellung, allen möglichen Konflikten, Schwierigkeiten oder Herausforderungen auszuweichen. Statt Alex also Bescheid zu sagen, nimmt sie einen Job in einem Museum an und beginnt heimlich Nachforschungen über ihn anzustellen. Womit sie nicht gerechnet hat: Porter, ein junger Mann, der als Wachdienst im Museum arbeitet und sie mit seiner Art zur Weißglut treibt. Sie fühlt sich zu ihm hingezogen, möchte gleichzeitig aber auch Alex nicht hintergehen.

Das klingt alles nach einer herrlich munteren und klassischen Young Adult-Geschichte und ich freute mich sehr darauf. Allerdings waren einige Dinge für mich nicht stimmig. So ruht für mich die ganze Spannung auf dieser besonderen Chemie zwischen Bailey und Alex, die zur Folge hat, dass Bailey nichts mit Porter anfangen darf, da sie Alex sonst womöglich verletzt. Allerdings hält sich der Austausch zwischen ihr und Alex im Verlauf des gesamten Buches so sehr in Grenzen, dass ich nicht mal ansatzweise die Verbindung zwischen ihnen nachvollziehen konnte. Zudem nimmt Porter im Verlauf der Geschichte so viel Raum ein, dass ich letztendlich gar nicht mehr an Alex dachte.

Er beugt sich leicht vor und sagt etwas leiser zu mir: „Ich habe mich übrigens gefragt, was du nach der Arbeit vorhast.“
Herz. Explosion. (Seite 243)

Was dann folgt, ist ein derart klassischer Plot, dass wirklich nichts mich überraschen konnte – zumal schon der Klappentext alles verrät. Und ich meine: alles. Bis zum Schluss dachte ich, dass da noch eine unerwartete Wendung kommen muss, dass die Autorin noch etwas in der Hinterhand hat – doch Pustekuchen. Die Geschichte endete genauso, wie man es vermutet. Keine Überraschungen, keine Aha-Momente. Noch dazu ist es anstrengend mitzuerleben, wie Bailey ahnungslos bleibt, obwohl es immer offensichtlicher wird, dass Porter Alex ist.

Die Charaktere konnten mich ebenfalls leider nicht fesseln. Bailey leidet unter einem Trauma aus ihrer Vergangenheit, möchte dies aber nicht wahrhaben. Da ist es verständlich, dass sie des Öfteren Ausweichmanöver startet und bestimmten Situationen lieber aus dem Weg geht. Allerdings machte das aus ihr einen recht oberflächlichen Charakter und es dauerte nicht lange, bis sie mich stellenweise nervte. Porter ist zwar im Großen und Ganzen sympathischer, doch ich verstehe ihn nicht oder vielmehr, ich verstehe nicht, weshalb Jenn Bennett ihn so anlegte, wie sie es tat. Anfangs verhält er sich Bailey gegenüber extrem abweisend, er macht sie sogar vor allen neuen Mitarbeitern lächerlich. Etwa zwei Tage lang behält er diese Haltung bei, dann ändert sich dies schlagartig. Von jetzt auf gleich hat er großes Interesse an Bailey, umwirbt sie und lädt sie auf Dates ein, die so feinfühlig sind, dass es schon beinahe unglaubwürdig ist. Klar ist das schön, doch warum muss er erst der „Bad Boy“ sein?

„Hör auf zu lachen, verdammt, und hör mir zu. Wenn du es dir genau überlegst, musst du zugeben, dass wir uns richtig, richtig gut verstehen, wenn wir uns gerade mal nicht streiten.“ (Seite 269)

Apropos Bad Boy. Den gibt es selbstverständlich auch. Ein alter Freund von Porter sorgt für vielerlei Probleme, die Bailey und Porter zusammenschweißen. Auf besagten Freund von Porter hat bereits eine Polizistin ein Auge geworfen, die wiederum zufällig die neue Freundin von Bailey’s Vater ist. Noch so eine Sache, die ich kritisch sehe. Die Eltern von Bailey leben seit einem Jahr getrennt und beinahe unmittelbar nach ihrer Ankunft bei ihrem Vater wird Bailey nebenbei mit der Freundin ihres Vaters konfrontiert. Ohne vorheriges Gespräch, ohne Vorwarnung. Auch nach dem ersten Treffen wird nicht darüber gesprochen. Und natürlich hat Bailey überhaupt kein Problem damit, dass ihr Vater neu vergeben ist, im Gegenteil, sie freut sich für ihn. Vielleicht sehe ich das auch zu eng, doch mir kommt so ein Verhalten eher unwahrscheinlich vor.

Alles in allem ist „Annähernd Alex“ aber durchaus eine gut lesbare Geschichte. Der Schreibstil von Jenn Bennett verführt zum Weiterlesen, bringt zum Lachen und lässt auch stellenweise die Zeit vergessen. Ich bin mir sicher, dass es reine Geschmackssache ist, was die vielen positiven Stimmen zum Buch bestätigen.

Fazit

„Annähernd Alex“ von Jenn Bennett ist eine süße, herrlich unkomplizierte und locker lesbare Geschichte, die wunderbar in den Sommer passt. Surfer, Strand, Liebe und ein wenig Abenteuer. Wer diese Kombination mag, wird hiermit durchaus zufrieden sein. Ich persönlich hatte mehr erwartet und störte mich an einigen Dingen zu sehr, als dass es für mich ein Lesehighlight werden konnte, das ich uneingeschränkt weiterempfehlen kann.

♥ ♥ | ♥ ♥ ♥

Annähernd Alex

Cover von Annähernd Alex von Jenn Bennett.Seinem Online-Schwarm im echten Leben zu begegnen kann böse Überraschungen mit sich bringen. Was, wenn er ein Idiot ist? Oder ein Langweiler? Mink erzählt Alex aus dem Film-Forum deswegen erst mal nicht, dass sie in genau den kalifornischen Küstenort zieht, in dem er wohnt. Sie erzählt auch nichts von ihrem furchtbaren Job in der Tourifalle von Museum, bei dem sie sich jeden Tag halb tot schwitzt. Und erst recht nichts erzählt sie von Porter, Surfwunder und Aufschneider zugleich. Als Mink und Porter nachts im Museum eingeschlossen werden, kommen sie einander näher. Und langsam dämmert es Mink: Porter ist Alex. Annähernd.

– Werbung –

Verlag (Copyright): Carlsen Verlag
Preis:
 19.99 Euro
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-551-56035-3
Erschienen: 29. September 2016
Zur Verlagswebseite

Über Jenn Bennett


Jenn Bennett wurde in Deutschland geboren, zog dann aber in die USA. Sie reist gern, u.a. nach Europa und Südostasien. Sie arbeitet hauptberuflich als Autorin und hat u.a. eine sehr erfolgreiche Fantasyserie geschrieben, bevor sie nun mit „Die Anatomie der Nacht“ ihr erstes realistisches Jugendbuch vorlegt. Jenn Bennett lebt mit ihrem Mann in Georgia.

Stimmen anderer Blogger


4 Gedanken zu “Annähernd Alex von Jenn Bennett | Rezension

  1. Nein, nein, NEIN! Liebe Anna, sag doch sowas nicht! Dieses Buch liegt noch auf meinem SuB und ich hatte mich so darauf gefreut. *heul* Hab gedacht, dass es da reihenweise Hach-Momente geben würde, aber dem ist anscheinend überhaupt nicht so. Sehr schade.

    Ganz liebe Grüße,
    Maike

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Maike,

      es gefällt ganz, ganz vielen sehr, sehr gut 😊 Falls dich das ein wenig beruhigen kann 😉 Vielleicht sind es für dich alles Hach-Momente – genau darauf hatte ich mich auch gefreut… ich glaube, dieses Buch ist arg Geschmackssache. Aber lies es, ich bin unendlich gespannt, wie es dir gefallen wird!

      Liebe Grüße,
      Anna

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s