[Rezension] „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ von Ulla Scheler

Das Jugendbuch „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ von Ulla Scheler habe ich im Dezember beim Blogger Adventskalender gewonnen. Genauer gesagt bei der großartigen Katja von Zeit zu lesen. (Ihr kennt ihren Blog noch nicht? Dann wird es aber Zeit!) Lesen wollte ich das Buch schon seit Erscheinen im August 2016, doch wie so oft kamen andere Dinge und Bücher dazwischen. Umso glücklicher war ich, es durch das Gewinnspiel nun endlich in den Händen halten zu können. Wie es mir gefiel, erfahrt ihr in meiner Rezension.

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Über „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“

Ben ist seit Ewigkeiten Hannas bester Freund. Er ist anders. Wild, tollkühn, ein Graffiti-Künstler, ein Geschichtenerzähler. Und keiner versteht Hanna so wie er. Nach dem Abi packen die beiden Bens klappriges Auto voll und fahren zum Meer. An einen verwunschenen Strand, um den sich eine düstere Legende rankt. Sie erzählen sich Geschichten. Bauen Lagerfeuer. Kommen einander dort nahe wie nie zuvor. Und Hanna hofft, endlich hinter das Geheimnis zu kommen, das Ben oft so unberechenbar und verzweifelt werden lässt. Doch dann passiert etwas Schreckliches …

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Verlag und Copyright: heyne>fliegt
Preis:
 14,99 Euro
Format: Paperback
ISBN: 978-3-453-27043-5

Erschienen: 08.08.2016
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„In meinem Kopf war es relativ leise, und ich konzentrierte mich auf beobachtende Gedanken, um die Bilder nicht zu wecken, die noch schliefen.“ (Seite 248)

Am Anfang meinte ich noch genau zu wissen, was mich erwartet. Alles deutete darauf hin, es mit einem typischen Jugendbuch zu tun zu haben, in dem sich ein Jugendlicher durch einen Schicksalsschlag weiterentwickelt. Zwar stimmt das auch in Teilen, doch letztendlich wählte die Autorin in ihrer Erzählung einen ganz anderen Schwerpunkt. Damit hat sie mich überrascht und das ist es auch, was ich an diesem Buch schätze. Es folgt nicht bekannten Mustern, sondern bricht mit den Erwartungen.

Darüber hinaus ist es eine Geschichte, die den Leser insbesondere durch den Schreibstil dazu einlädt, in ihr zu verharren zu wollen, sich in den Zeilen einzunisten und für ein Weilchen darin zu wohnen. Ulla Scheler’s Worte lassen einen die Zeit vergessen, bis jeder noch so kleine und unscheinbare Moment sich ausdehnt und in seinen Details lebendiger und intensiver wird. Unterstrichen wird diese Stimmung noch durch diese ganz besondere Ruhe, die einen nur im Sommer befallen kann. Die Hitze und Trägheit sowie das helle Licht lassen die Welt weniger greifbar und entrückter erscheinen.

„Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ ist ein eher melancholisches Werk, es stimmte mich nachdenklich, wehmütig und gleichzeitig beflügelt. Es fängt ganz wunderbar die Emotionen ein, die Hanna und Ben nach dem Schulabschluss antreiben. Ein neuer Lebensabschnitt fängt an und beide begegnen dieser neuen Ausrichtung ihres Lebens mit Scheu, Skepsis und Neugier. Auf ihrer gemeinsamen Reise brechen sie noch einmal aus dem vermeintlichen Trott aus und erleben einen Sommer voller Freiheit und besonderen Erfahrungen. Die zarte Liebesgeschichte hat mich dabei absolut überzeugt.

Charaktere

„Irgendwann er: ‚Hanna?‘
Ich: ‚Hmm.‘
Er: ‚Kannst du nicht schlafen, weil du Angst vor morgen und morgen und morgen hast?‘.“ (Seite 48)


Ich muss sagen, dass die Charaktere für sich genommen gar nicht sonderlich einprägsam waren. Es ist vielmehr das Miteinander, das mich berührt hat. Zwischen Hanna und Ben funkt es, das spürt der Leser von Anfang an, und sie ergänzen sich hervorragend. Den Gesprächen zu folgen ist ein Genuss, ihren Gedanken nachzuspüren ebenfalls. Das starke Band hat Ulla Scheler gut vermittelt. Um Hanna und Ben einzeln zu verstehen, muss man aufmerksam sein und die Zwischentöne wahrnehmen, denn nicht immer werden ihre Beweggründe offengelegt. Die Autorin belässt es bei Andeutungen, die das Grundgerüst von hintergründigen Familiendynamiken bilden.

Spannend sind neben den Protagonisten außerdem Chloé und Sam. Chloé ist kantig und kratzbürstig, aber trotz allem gewinnt man sie lieb. Sie treibt die Geschichte voran und ist so ein ganz wichtiges Element im Buch.

Schreibstil


Wie schon zu Beginn gesagt, wird die Geschichte bestimmt von leisen und versponnenen Momentaufnahmen. Die Sprache ist ruhig und geradezu sinnlich, das hat mir gut gefallen. Jeden zweiten Satz wollte ich am liebsten in mein Gedächtnis einbrennen, um dem Gedanken auch nach der Lektüre nachhängen zu können. Ulla Scheler hat es erreicht, dass ich an vielen Textstellen verweilen wollte. Etwas, das nicht in jedem Jugendbuch zu finden ist, und mich daher sehr positiv überrascht hat.

Fazit


„Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ ist ein Jugendbuch, das aus der Masse heraussticht. Einerseits durch die wundervolle Sprache, die eine besondere Stimmung erschafft, andererseits durch eine Story, die nicht ausgetretene Pfade betritt, sondern mit den Erwartungen spielt. Für mich auf ganzer Linie empfehlenswert.

♥ ♥ ♥ ♥ 

Über Ulla Scheler


Ulla Scheler wurde 1994 in Coburg geboren. Bücher liebt sie schon seit ihrer Kindheit. Nach dem Abitur arbeitete sie in einem Krankenhaus, beim Fernsehen und in einem marokkanischen Hotel. Bis sie dann endlich ihren Debütroman fertig schrieb, der schon seit drei Jahren darauf wartete, veröffentlicht zu werden. Die Autorin lebt in München und studiert Psychologie.

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13 Gedanken zu “[Rezension] „Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen“ von Ulla Scheler

  1. Pingback: Rezension: Es ist gefährlich, bei Sturm zu schwimmen – Sarah Ricchizzi

  2. Pingback: Montagsfrage | Meine Buchhighlights Q1 2017 | Buchstabenträumerei – Buchblog

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